Alles neu macht der Mai

 

Du hast deine warme Seele

Um mein verwittertes Herz geschlungen,

Und all seine dunklen Töne

Sind wie ferne Donner verklungen.

 

Aber es kann nicht mehr jauchzen

Mit seiner wilden Wunde,

Und wunschlos in deinem Arme

Liegt mein Mund auf deinem Munde.

 

Und ich höre dich leise weinen,

Und es ist – die Nacht bewegt sich kaum –

Als fiele ein Maienregen

Auf meinen greisen Traum.

 

Else Lasker-Schüler

 

 

Diese Blütenpracht habe ich im Keukenhof aufgenommen. Ein Spaziergang durch diesen Park ist wirklich lohnenswert. 

 

 

An den Mai

 

Es ist doch im April fürwahr

Der Frühling weder halb noch gar.

Komm, Rosenbringer, süßer Mai,

Komm du herbei!

 

So weiß ich, was der Frühling sei.

Wie aber, soll die erste Gartenpracht,

Narzissen, Primeln, Hyazinthen,

Die kaum die hellen Äuglein aufgemacht

Schon welken und verschwinden?

 

Und mit euch besonders, holde Veilchen,

Wär's dann fürs ganze Jahr vorbei?

Lieber, lieber Mai,

Ach, so warte noch ein Weilchen!

 

Eduard Mörike

 

 

© Ingrid M. Wolf 

 

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