Flieder im Mai

 

Im Galarock des heiteren Verschwenders,

ein Blumenzepter in der schmalen Hand,

fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,

aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

 

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.

Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.

Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.

Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

 

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.

Die Birken machen einen grünen Knicks.

Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,

das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

 

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.

Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.

Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.

O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

 

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.

Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.

Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.

Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

 

Er nickt uns zu und ruft: "Ich komm ja wieder!"

Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.

Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.

Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

 

Erich Kästner

 

 

O wie ich daran glaube, an das Leben. Nicht das, das die Zeit ausmacht, jenes andere Leben, das Leben der kleinen Dinge, das Leben der Tiere und der großen Ebenen. Dieses Leben, das durch die Jahrtausende dauert, scheinbar ohne Teilnahme, und doch im Gleichgewicht seiner Kräfte voll Bewegung und Wachstum und Wärme. Darum lasten die Städte so auf mir. Darum liebe ich es, barfuß weite Wege zu tun, um kein Sandkorn zu versäumen und meinem Körper in vielen Formen die ganze Welt zu geben zum Gefühl, zum Ereignis, zur Verwandtschaft. Darum lebe ich, wo es geht, von Gemüse, um dem einfachen, durch nichts Fremdes gesteigerten Lebensbewusstsein nahe zu sein; darum geht kein Wein in mich ein: weil ich will, dass nur meine Säfte reden und rauschen sollen und Seligkeit haben sollen, wie in Kindern und Tieren, tief aus sich selbst! … Und darum will ich auch allen Hochmut weit von mir abtun, mich nicht heben über das allergeringste Tier und mich nicht herrlicher halten als einen Stein. Aber sein, was ich bin, leben, was mir zu leben gesetzt war, klingen wollen, was keiner sonst klingen kann, die Blüten bringen, die meinem Herzen befohlen sind. Das will ich – und das kann doch nicht Überhebung sein.

 

Brief von Rainer M. Rilke an Ellen Key vom 3. April 1903

 

 

Verschwiegen seid ihr, liebe Sterne,

Und blinkt so freundlich Trost und Rath,

Euch und den Blumen meldet gerne,

Was einer auf dem Herzen hat.

 

Wie vieles hat der Mensch zu sagen,

Was sich vor Menschen schließet zu!

Den hohen Sternen darf er`s klagen,

Den Blumen winkt und nickt er`s zu.

 

Ernst Moritz Arndt (1769-1860)

 

 

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