Herbstgold

 

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!

   Die Luft ist still, als atmete man kaum,

Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,

   Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

 

O störe sie nicht, die Feier der Natur!

   Dies ist die Lese, die sie selber hält,

Denn heute löst sich von den Zweigen nur,

   Was vor dem milden Strahl der Sonne fällt.

 

Friedrich Hebbel (1813-1863)

 

 

Zu Golde ward die Welt;

zu lange traf

der Sonne süßer Strahl

das Blatt, den Zweig.

Nun neig

dich, Welt, hinab

in Winterschlaf.

 

Bald sinkt's von droben dir

in flockigen Geweben

verschleiernd zu -

und bringt dir Ruh,

o Welt,

o dir, zu Gold geliebtes Leben,

Ruh.

 

Christian Morgenstern

 

 

Herbstfotos vom Ammersee. Im letzten Jahr aufgenommen.

 

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