Auf Engelsschwingen

 

 

Heil'ge Nacht, auf Engelsschwingen

nahst du leise dich der Welt,

und die Glocken hör' ich klingen,

und die Fenster sind erhellt.

Selbst die Hütte trieft von Segen,

und der Kindlein froher Dank

jauchzt dem Himmelskind entgegen,

und ihr Stammeln wird Gesang.

 

Mit der Fülle süßer Lieder,

mit dem Glanz um Tal und Höh'n,

Heil'ge Nacht, so kehrst du wieder,

wie die Welt dich einst gesehn,

da die Palmen lauter rauschten,

und, versenkt in Dämmerung,

Erd' und Himmel Worte tauschten,

Worte der Verkündigung.

 

 

Heil'ge Nacht, mit tausend Kerzen

steigst du feierlich herauf,

o, so geh' in unsern Herzen,

Stern des Lebens, geh' uns auf!

Schau, im Himmel und auf Erden

glänzt der Liebe Rosenschein:

Friede soll's noch einmal werden

und die Liebe König sein!

 

 

Robert Eduard Prutz.

 

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