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Am See

 

Wenn Sie sich an die Natur halten, an das Einfache in ihr, an

das Kleine, das kaum einer sieht, und das so unversehens 

zum Großen und Unermeßlichen werden kann; wenn Sie 

diese Liebe haben zu dem Geringen und ganz schlicht als 

ein Dienender das Vertrauen dessen zu gewinnen suchen, 

was arm scheint: dann wird Ihnen alles leichter, einheitlicher

und irgendwie versöhnender werden, nicht im Verstande 

vielleicht, der staunend zurückbleibt, aber in Ihrem 

innersten Bewußtsein, Wachsein und Wissen. 

Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, 

so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen

alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen 

selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher,

die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. 

Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen 

nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben 

könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. 

Leben Sie jetzt die Fragen.

Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, 

eines fernen Tages in die Antwort hinein. 

 

Rainer Maria Rilke an Franz X. Kappus am 16.07.1903

 

 

 

Nach einem Spaziergang am Hardehauser See haben wir die Stille und den Frieden um uns herum sehr genossen. Wir beobachteten die kleinen Fische im Wasser und die Mücken, die in Schwärmen dicht über der Wasserfläche und im reflektierenden Sonnenglanz tanzten. Ich liebe es, die Wunder der Natur über das gesamte Jahr hinweg zu beobachten. Doch keine Jahreszeit hat so viele Wunder zu bieten, wie der Frühling. Dankbarkeit für alles ist in diesen Momenten ein starkes Gefühl in mir. 

 

 

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